Innovationswerkstatt unter dem Motto „Nachhaltigkeit“.

Agil, interdisziplinär und ziemlich transferaffin

Lehr- und Transferformat zugleich: Die fünfte Innovationswerkstatt stand unter dem Motto „Nachhaltigkeit“.

Die Fastpart Kunststofftechnik GmbH ist ein Unternehmen aus dem Modell- und Formenbau. Im Betrieb fallen einige Tonnen Kunststoffabfälle pro Jahr an, für deren Verwertung es bisher es nur sporadische Lösungen gab. Mal war eine Großgärtnerei Abnehmer der Reste oder ein kleines Designbüro. Aber eine nachhaltige Lösung ist wegen der Zusammensetzung der Stoffe schwierig. Um solche Fragen dauerhaft zu lösen, fehlt mittelständischen Firmen oft die Zeit. Für die Innovationswerkstatt der HTW Berlin erwies sich die Frage aber als genau richtig.


Interdisziplinäre Teams im Austausch mit „ihren“ Unternehmen

Die fünfte Innovationswerkstatt der HTW Berlin stand unter dem Motto „Nachhaltigkeit“. Während einer kompakten Werkstattwoche beschäftigten sich Studierende mit den Herausforderungen von Fastpart und zwei weiteren Berliner Unternehmen. Coronabedingt war die Zahl auf drei Firmen beschränkt. Damit standen drei interdisziplinär besetzte Teams mit maximal fünf Studierenden in engem Austausch mit „ihren“ Unternehmen. Sie wurden durch Professor_innen der HTW Berlin beim Lösungsprozess begleitet. Neben dem Leiter der Innovationswerkstatt, Volker Wohlgemut, waren es diesmal Katrin Hinz und Sebastian Feucht, die den Studierenden wertvolle Tipps gaben.


Kooperationen zum Vorteil aller

Mit der Innovationswerkstatt bietet die HTW Berlin Unternehmen aus der Region einen niedrigschwelligen Zugang zur Forschungsexpertise der Hochschule. „Formate wie die Innovationswerkstatt erleichtern die Kooperation zum Vorteil aller“, so Herr Wohlgemuth. Praxisorientierung in der Lehre, auf die die HTW Berlin gesteigerten Wert legt, ist auf Praxispartner angewiesen. Gerade kleine und mittlere Unternehmen tun sich allerdings schwer, Kooperationen aufzubauen. Dabei ist gerade für sie, die kaum Forschungskapazitäten haben, der Kontakt zu innovativen Trends wichtig.


Perspektivenvielfalt und Perspektivenwechsel

Die Studierenden lernen durch den intensiven Praxisbezug interessante mittelständische Firmen aus der Region kennen. Das ist bei Weitem nicht der einzige Vorteil solcher Formate. Studierende unterschiedlicher Fachrichtungen, von Erst- bis Spätsemester kommen zusammen, arbeiten in heterogenen Teams, um aus ihren spezifischen Perspektiven heraus gemeinsame Lösungen zu schaffen. Worauf es für alle Beteiligten ankommt: sich auf die Sichtweisen und Interessen anderer einzulassen und sie in einer adäquaten Lösung, einem Prototypen, zu vereinen, die den Möglichkeiten der Firmen und der Kürze der Zeit angemessen ist.

Um die Projektwoche optimal zu nutzen, erlernen die Studierenden in der Innovationswerkstatt zudem agile Methoden wie Design Thinking. Diese Methoden dienen als Katalysatoren, als Prozessbeschleuniger im Innovationsmanagement. Angeleitet werden sie dabei von qualifizierten Coaches.


„Jeder Input ist guter Input“

„Die vielen Lösungsansätze haben uns überrascht“, so jedenfalls Aranka Wassmann von der Fastpart GmbH. „Im laufenden Betrieb wäre es gar nicht denkbar, sich derart intensiv mit der Frage auseinanderzusetzen“, sagt sie. Ähnlich sieht es Nicole Plock von der Arekapak GmbH, einem Unternehmen, das wie kaum ein anderes zum Thema Nachhaltigkeit passt. Nicole Plock und Alexandra Matthies sind Absolventinnen der HTW Berlin und gründeten Arekapak gleich nach ihrem Studium. Sie stellen nachhaltige Verpackungen aus den Blättern der Arekapalme her, die im Herkunftsland der Palme, in Indien, als Nebenprodukte anfallen. Ihre zu hundert Prozent natürlichen Verpackungslösungen bieten sie bereits auf dem Markt an.

Zu den vielen Herausforderungen, die das junge Unternehmen bewältigen muss, gehört eine Kommunikationsstrategie, die Nachhaltigkeit ins Zentrum stellt. Bei dieser Herausforderung ließen sich die beiden Gründerinnen von den Studierenden gern Vorschläge machen. Jeder Input ist guter Input, sagen die Gründerinnen. „Vor allem die Perspektive von Studierenden, die völlig unbefangen und von außen auf Firma und Produkt blicken, war sehr hilfreich.“

Für die Unternehmen, die an der fünften Runde der Innovationswerkstatt teilnahmen, heißt es nun: Vorschläge sichten und weiterverfolgen.